Tipps gegen das Quietschen bei V-Brakes
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Ursachen von Bremsenquietschen parallel geführter V-Brakes und Maßnahmen gegen Selbiges
Parallelgeführte V-Brakes sind konstruktionsbedingt gewöhnlichen V-Brakes von der Bremskraft deutlich überlegen (ca. 20-30%). Um jedoch diese tatsächlich sinnvoll nutzten zu können bedarf es einer entsprechend peniblen Einstellung, sowie einer sinnvollen Abstimmung mit den restlichen Komponenten. Als häufigste Störquelle wird dabei das Bremsenquietschen wahrgenommen. Da hierbei, bedingt durch die auftretenden Vibrationen/Resonanzen, die Bremskraft deutlich nachläßt (min. 50%), wollen wir uns mit diesem Artikel speziell diesem Thema widmen. Als Beispiel dient hierzu die Shimano BR-M760, welche als letze Vertreterin dieser Art in der XT-Serie von Shimano gebaut wurde. Die neue BR-M770 ist dagegen wieder nach dem herkömmlichen Prinzip konstruiert. Ebenfalls erwähnt wird die Magura HS33, welche, mit Bremshydraulik ausgestattet, wohl die Spitze des techn. Machbaren bei den Felgenbremsen darstellt.
- Einstellung und Auswahl der Bremsgummis
Die Einstellung der Bremsbeläge erfordert eine gewisse Sorgfalt. Es gibt eine Menge Abhandlungen über dieses Thema, auch im Internet, und nach der Überprüfung jeder Menge Tipps denke ich euch hier nun das beste anbieten zu können. Die Höhe der Bremsgummis wird als erstes auf den unteren Rand der Felge fixiert, es darf auch ca. ½ mm höher eingestellt werden. Der obere Rand ist, entgegen einiger anderslautender Behauptungen zu meiden, da die Felge dort am instabilsten ist. So reduzieren wir schon mal die Resonanzanfälligkeit der Felge. Über die Vorspannungsfedern wird ein gleichmäßiger Abstand beider Bremsbeläge zur Felge (ca.1-2mm) eingestellt.
Hier lohnt sich eine besonders penible Justage. Es ist darauf zu achten, dass nicht nur der gleiche Abstand eingestellt wird, sondern auch darauf, dass die beiden Bremsarme gleichmäßig schließen und auch gleichmäßig öffnen. Eine Voraussetzung dafür ist auch die Leichtgängigkeit der Bremszüge.
Außerdem werden die Bremsbeläge so eingestellt, daß sie nach vorne hin etwas zur Felge hin verlaufen, so dass sie vorne zuerst zupacken (siehe Bild4).
Als besonders quietscharme Bremsbeläge haben sich hierbei die
„Kool Stop - Dual Compound“ und die „BBB - Tristop“ oder „Quadstop“
herausgestellt. Bei diesen beiden Bremsbelagtypen spielt einerseits die
Profilierung wie auch die Materialauswahl eine positive Rolle. So bewirkt die
Profilierung eine bessere Abführung von Wasser und Schmutz, was einer
dauerhaften Bremsleistung zugute kommt.
Bei richtiger Einstellung und entsprechendem Restmaterial haben wir nun
eine excellente Bremskraft und eine absolut still arbeitende Bremse.
Sollte es jetzt trotzdem noch quietschen bieten sich folgenden Lösungen an:
- Montage überprüfen
Als erstes überprüfen wir die Länge der Montageschrauben. Diese dürfen ruhig die max. Länge der Cantisockel (also ca. 30mm) ausnützen. Unbedingt Schraubensicherung für die Gewinde sowie Fett zwischen Cantisockel und Bremsschenkel verwenden!
- Brakebooster montieren
Bei starkem quietschen hilft ein Brakebooster. Er stabilisiert die gesamte Gabel und verbessert darüber hinaus den Druckpunkt. Wieder Fett auf die Verbindungsteile!
- Bremsbeläge aufrauhen
Als Notlösung gedacht, muss es ständig wiederholt werden. Mit 80er Schleifpapier werden die Belagsoberflächen etwas aufgeraut. So hatte Ich mal folgenden Effekt: eine sowieso schon schlechte Felge hatte zu allem Überfluss auch noch eine schlechte Verbindungsstelle. Es war ein deutlich sicht- und fühlbarer Übergang, welcher aber ständig die Bremsbeläge rauh hielt. Ergebnis – null quietschen. Ist natürlich nicht im Sinne des Erfinders.
Wenn all das nicht hilft, geht es an die Überprüfung der Qualität der restlichen Bauteile, genauer gesagt der Felge und der Federgabel. Da die parallel geführte V-Brake mit mehr Power zu Werke geht als die einfache V-Brake, steigt somit natürlich auch der Anspruch an die restlichen Bauteile.
Folgende Kriterien helfen bei der Beurteilung zur Eignung der Komponenten:
FELGE: Die Felge ist ein sehr kritischer Punkt beim Bremsen. Sie soll vor allem stabil sein. Dabei ist die Preisklasse unerheblich. Eine preiswerte, aber schwere 36-Speichenfelge wird weniger Probleme bereiten als eine teure Leichtbaufelge mit 20 Speichen. Grundsätzlich sollten preiswerte Leichtbaufelgen mit 20 bis 28 Speichen sehr misstrauisch betrachtet werden. Felgen von Markenherstellern wie Mavic oder DT Swiss machen hierbei normalerweise keine Problem. Diese mit 32 Speichen sind in der Regel die Lösung wenn nichts mehr geht. Für eine entsprechende Felge mit nur 28, 24 oder gar nur 20 Speichen sollte man schon tief in die Tasche greifen, um solche Probleme zu umgehen. Hinzu kommt noch die höhere Speichenspannung, welche bei geringerer Anzahl an Speichen erforderlich ist, um ein Mindestmaß an Steifigkeit zu gewährleisten. Dies führt, zusammen mit den größeren Teilabschnitten zwischen den Speichen an der Felge, zu einer noch größeren Resonanzanfälligkeit. Zusammen mit dem Reifen, dem Reifendruck, der Speichenspannung und der Federgabel ergibt sich so ein sehr komplexes System aus Steifigkeit und Dämpfung, was bei einer zu simpel konstruierten Leichtbaufelge nicht mehr zu beherrschen ist.
FEDERGABEL: Ähnliches gilt auch für die Federgabel. Da das Federgabelsystem keine echte durchgehende Verbindung zum Rahmen, und somit zur Gesamtmasse, aufweist, ist es auch anfällig für Vibrationen/Resonanzen. Besonders negativ tun sich hier auch wieder die Leichtbauteile hervor. Einmal angeregt durch eine labile Felge(s. oben) kann es einen Höllenlärm verursachen. Diese Resonanz wurde von mir eindeutig an der Gabel geortet und gemessen! Abhilfe schafft dann nur noch ein Brakebooster . Bei Magura wird ein Brakebooster mittlerweile Serienmäßig mitgeliefert – das sagt eigentlich schon alles. Bei der Montage darauf achten daß der Abstand zur Bremse möglichst kurz gehalten wird. Eventuell beiliegende Abstandshalter weglassen oder kürzen. Von der Wirkung her geringer aber nicht unbedeutend ist die Qualität der Schrauben. Unbedingt die für die Montage vorgesehenen Edelstahl- oder Titanschrauben verwenden. Edelstahl und Titan sind elastischer als handelsüblicher Stahl. Eine zu starre Verbindung leitet Vibrationen/Resonanzen fast ungehindert weiter. Und eine feste aber elastische Verbindung ist deutlich belastbarer als eine starre Verbindung. Bei der Montage wieder Punkt 2 und 3 beachten.
Diese Probleme mit dem Quietschen betreffen nicht nur die Shimano XT-V-Brake, sondern genauso auch die Magura HS33. Diese ist zwar keine V-Brake, durch die parallele Kolbenführung jedoch ähnlich anspruchsvoll. Auffällig bei Magura ist unter anderem, dass man für die HS33 sogar Einbau- und Umbauanleitungen für die Montage an diversen Federgabeln anbietet. Nach dem Motto – jede Federgabel bereitet andere Probleme. Das unterstreicht die Ansprüche dieser Bremse einmal mehr.
Fazit: Bei der Justage und der Montage ist sehr genau auf die Qualität der restlichen Komponenten zu achten. Nur so kann die Qualität und die Bremskraft dieser Bremsart ausgeschöpft werden.
In der heutigen Zeit taucht jedoch immer wieder die Frage auf – Scheibenbremsen oder V-Brake? Nun die Frage ist ganz einfach. Die Reihenfolge der Performance sieht so aus:
V-Brake – Par.V-Brake – hydr.Felgenbremse – mech. Scheibenbremse – hydr. Scheibenbremse
Der Nachteil aller Felgenbremsen sind die weichen Bremsbeläge. Es ist wie wenn man mit den Fingern über eine saubere Fensterscheibe zieht. Es quietscht und ruckelt. Es ist kein gleichmäßiger Zug möglich. Anders bei den Discs: Durch entsprechende Materialauswahl kann man eine hervorragende lineare Dosierbarkeit erreichen. Der pötzliche Ruck, wie wir ihn von V-Brakes her kennen, ist hier weg. Von leichtem Schleifen bis zum vollem Zupacken, alles haben wir hier selbst in der Hand, bzw. in den Fingern. Somit kann abschließend gesagt werden, dass die par. V-Brake ausgedient hat. Im Low-Cost Bereich oder im normalen City-Verkehr tut es die einfache V-Brake, und die Ansprüche im oberen Preissegment sowie MTB werden von den Discs abgedeckt. Somit erklärt sich auch, warum Shimano die neue XT-V-Brake wieder nur als einfache Version anbietet.
Autor: Suedalpler





