Kette

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Zum Antrieb nutzt das MTB meist eine Kombination aus einer Kurbel mit bis zu drei Kettenblättern, einer Kette und einer Kassette, respektive einem Ritzel an der Hinterradnabe (bei Getriebenaben). Diese Antriebsform setzt die Rotationsbewegung der Tretkurbel in eine geradlinige Bewegung (Translation) um. Die Kette überträgt die über die Pedale eingeleiteten Tretkräfte des Fahrers an die Kassette / Ritzel auf der Hinterradnabe. Für diese Aufgabe verwendet man sogenannte Rollenketten.


Im Einzelnen besteht die Rollenkette aus fünf Elementen:

Die Außenlaschen sind mit einem Niet mit der Innenlasche verbunden. Die drehbaren Rollen lagern gleitend um Hülsen.

Bild:Kette.jpg

Neben der reinen Kraftübertragung hat die Kette an Fahrrädern mit Kettenschaltung eine weitere Aufgabe: Sie ist auch Bestandteil des Schaltmechanismus. Daher sind die Außenlaschen diverser Ketten für die Schaltweichen der Ritzel beziehungsweise Steighilfen der Kettenblätter speziell ausgeformt.

Die Ketten für Zehnfachkassetten von Campagnolo harmonieren z.B. nicht ohne weiteres mit Kassetten von Shimano. Ursache sind hier die unterschiedlichen Breiten. Ob eine Funktionalität gegeben ist, hängt unter anderem von der Kettenlinie, aber auch von der Abstufung der Ritzel, ab. Um hier einer möglichen Störquelle vorzubeugen, sollte man auch die zur jeweiligen Schaltgruppe passende Kette - idealerweise vom selben Hersteller - wählen. Fahrradketten in großer Auswahl bietet die Hagener Firma Wippermann. Sie firmieren unter dem Markennamen Connex. Die Edelstahlketten harmonieren gut mit den Neunfachschaltungen von Shimano. Auch sind Zehnfachketten in der Abmessung 1/2" x 11/128" und einer Bolzenlänge von 5,9 mm erhältlich.

Eine Besonderheit der Wippermann - Ketten ist das sogenannte Connex-Link (siehe Montage), ein Kettenschloss, dass sich ohne Werkzeug schließen und sich auch ohne Werkzeug wieder öffnen lässt. Ähnliches bietet z.B. auch SRAM bei Ketten an.


Montage

Vor der Montage einer Kette ist zunächst eine für die jeweilige Schaltung passende Kette auszuwählen.

Für Shimano gilt: Die Bezeichnung innerhalb der Artikelnummern lautet für Ketten immer auf CN für das englische Äqivalent für Kette, Chain. Anschließend folgt die Bezeichnug für die Steighilfen. Dies kann HG (für Hyperglide), UG (für Uniglide) oder IG (für Interglide) sein. Hierauf folgt ein Nummernschema, welches Rückschluss auf die Gruppenzugehörigkeit zulässt.

Hyperglide ist konzipiert für eine schnelle und präzise Indexschaltfunktion und an Mountainbikes wie auch Rennrädern quasi durchgängig verbreitet. Das Nummernschema lässt Rückschluss auf die Gruppe zu. 9x steht für Deore XT (zudem auch Saint), 7x für Deore LX (zudem auch Hone), 5x für Deore, 3x für Alivio.\\ Eine CN-HG 93 ist demnach eine XT-Kette für eine Kassette mit neun Ritzeln und Hyperglide-Steighilfen.

Die Neunfachketten von Shimano haben eine Breite von 6,1 Millimeter. Bei der Zehnfachversion ist die Breite des Rotors gleich geblieben, daher stehen die Ritzel näher beieinander und sind schmaler. Dies bedingt eine schmalere Kette, die hier 5,85 Millimeter misst. In der Siebenfach und Achtfachversion misst die Kette 6,6 Millimeter. Die Ketten lassen sich zwar gruppenübergreifend beliebig verwenden, jedoch nur für die entsprechende Anzahl von Ritzeln. Eine Zehnfachkette lässt sich demnach nicht für eine Achtfachkasette verwenden, da deren Ritzel zu breit für die Kette sind. Dies gilt sinngemäß so auch für alle anderen Hersteller und Fabrikate!


Als Montagewerkzeug bedarf es mindestens eines Nietdrückers, möglicherweise sogar einen wirklichen Kettennieter (Rohloff Revolver). Dieser drückt den Niet in die Lasche der abgelängten Kette. Bei einigen Ketten wie der S-L-T-99 von Rohloff bedarf es jedoch eines speziellen Vernieters. Dieses Vernietwerkzeug unterscheidet sich vom Nietdrücker dadurch, dass der den Niet an seinen Enden aufdrückt; ein Nietdrücker drückt den Niet nur in die Laschen, ohne die Enden aufzudrücken. Es findet hier in dem Sinne keine echte Vernietung statt.

Bei Shimano und auch Campagnolo wird der Niet mit einem Führungsstift voraus in die bereits passend abgelängte Kette gedrückt. Nach dem Einrasten des Niets wird der Führungsstift mit einer Zange an seiner Sollbruchstelle vom Niet abgebrochen. Im Gegensatz zu Shimano gibt es bei Campagnolo die Besonderheit, dass der Niet von Innen in die Kette gedrückt werden muss! Grundsätzlich gilt, dass sich ein Niet nur einmal verwenden lässt!

Ein Kettenschloss statt eines Nietes wird bei Wippermann-Ketten verwendet. Das sogenannte Connex-Link lässt sich ohne Werkzeug schließen und - im Gegensatz zu einigen anderen Anbietern - auch ohne Werkzeug wieder öffnen.

Auch KMC verwendet ein "Missing Link" genanntes Kettenschloss. Es ist zu den Zehnfachketten von Campagnolo und Shimano kompatibel und lässt sich ohne speziellen Verschlussniet und Spezialwerkzeug schließen und wieder öffnen.

Beiden Schlössern ist zu eigen, dass die beiden Hälften des Schlosses in die offenen Enden der Kette eingesetzt und von Hand zusammengezogen werden. Öffnen lassen sich die Schlösser in umgekehrter Richtung. Das goldenen Missing Link mit der Kennzeichnung 10S ist für die Zehnfachketten von Shimano und KMC gedacht, das silberne Missing Link mit der Bezeichnung 10C ist die Variante für die etwas breiteren Ketten von Campagnolo. Die 10S-Version ist mit Ketten von Campagnolo nicht kompatibel.


Wartung

Neben ausreichender Schmierung der Kette ist die regelmäßige Überprüfung ihrer Länge mindestens genauso wichtig. Durch die enorme Flächenbelastung während des Fahrens längt sich die Kette. Dabei ist der Verschleiß der Kette in der Regel größer als der der Ritzel auf der Kassette. Ab einem gewissen Punkt legt sich die Kette nicht mehr harmonisch in die Ritzel. Auf Grund ihrer betriebsbedingten Längung korrespondiert der Abstand der Bolzen nicht mehr mit dem Abstand der Zähne auf den Ritzeln. Durch die Zugbelastung gräbt sich die Kette mit jeder Umdrehung in die Ritzel ein und verschleißt so die Kassette und auch die Kettenblätter gleich mit. Daher ist ab einem bestimmten Punkt der Wechsel der Kette obligatorisch. Dies sollte erfolgen, wenn sich die Kette um 0,1 Millimeter je Bolzen gelängt hat. Messen lässt sich dies mittels einer Schieblehre. Praktisch ist es bei dieser Methode, gleich über zehn Bolzen zu Messen. Dies verringert Fehlmessungen und erhöht die Genauigkeit, da man hier über eine größere Anzahl misst. Hier wäre bei einer Längung von einem Millimeter ein Wechsel der Kette sinnvoll. Eine weitere Messmethode besteht in der Verwendung einer geeigneten Verschleißlehre. Diese wird unter anderem von den Firmen Wippermann unter der Bezeichnung Kettenverschleißlehre oder auch von Rohloff unter dem Produktnamen Caliber angeboten. Ihre Funktionsweise besteht darin, dass ein Dorn des Messinstrumentes in die Kette eingehakt wird. Rutscht der zweite Dorn ebenfalls in die Kette, ist diese soweit verschlissen, dass sie gewechselt werden sollte. Andernfalls liegt der Dorn auf dem Bolzen auf.

Ketten bedürfen für einen geschmeidigen Lauf einer steten Pflege. Hierzu zählten unter anderem regelmäßige Reinigung. Kleine Partikel aus Sand, Dreck und dergleichen wirken wie Schmirgel und erhöhen den Verschleiß erheblich. Mangelnde Schmierung erhöht nicht nur den Reibungswiderstand sondern lässt ebenfalls die Kette schneller verschleißen. Bei den Schmiermitteln für die Kette ist auf eine geeignete Viskosität zu achten. Die Viskosität ist ein Maß für die Zähflüssigkeit einer Flüssigkeit. Zu dünnflüssige Schmierstoffe würden auf Grund der hohen Flächenbelastung aus der Kette verdrängt werden und könnten ihre Wirkung nicht entfalten. Aus technischer Sicht ist das Fetten der Kette die optimale Form der Schmierung. Sie wird am wenigsten von der durch die Kettenspannung verursachten Flächenbelastung verdrängt. Allerdings ist ein regelmäßiges Nachfetten kaum realisierbar. Als praktikabelster Weg hat es sich erwiesen, die Fettschicht als Grundschmierung in der Kette zu belassen (die Kette also nicht zu entölen!) und diese in regelmäßigen Abständen zu ölen. Mit "etwas mehr" Öl lassen sich Schmutzpartikel aus der Kette herauswaschen. Nach dem das Öl in die Kette gekrochen ist wird überschüssiges Schmiermittel mit einem fusselfreien Tuch abgewischt. Mit etwas Sprühwachs lässt sich der Schmierfilm gegen Dreck versiegeln, da dieser auf der Wachsschicht schlechter haftet.

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