Industrielager

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Naben, Steuersätze, Innenlager, ja selbst Hinterradfederungen laufen meist über Kugellager. Kugellager heißt, dass Teile, die sich gegeneinander bewegen (in unserem Fall z.B. der starre, innere Teil der Nabe und der äußere, sich bewegende mit den Speichen) nicht direkt aufeinander gleiten, sondern über sich dazwischen befindliche Kugeln abrollen. Im allgemeinen Sprachgebrauch differenziert man dabei allerdings nicht, ob es sich wirklich um Kugeln oder aber um Nadeln, Walzen usw. handelt.

Shimano nutzt sogenannte Konuslager:
In diesen befindet sich in dem einen Nabenteil (dem festen) einen Sitz für die Kugeln, in den sie gelegt werden, und auf der Achse ein Konus, der die Kugeln gegen ihren Sitz drückt und so fixiert. Deswegen kann und muss man diese Lager auch einstellen! Gut zu sehen ist dieses Prinzip auch bei alten Steuersätzen.

Die sogenannten Industrielager nun sind Kugellager, bei denen die Kugeln fest zwischen einem inneren und einem äußeren Ring laufen, zwischen denen wiederum Dichtungsringe sitzen. D.h. man sieht im allgemein diese Lager nur von außen und vermutet im Inneren irgendwelche neuartigen Wunder der Technik, im inneren befinden sich aber auch "nur" Kugeln. Damit diese Industrielager richtig und lange funktionieren, ohne sich selbst oder die Bauteile außenrum zu zerstören, ist es essentiell und extrem wichtig, dass sie fest, spielfrei und absolut gerade in ihrem Sitz montiert sind. Denn: Über ihren äußeren Ring werden diese Lager in das äußere, sich bewegende Teil gepresst, der innere Ring wiederrum muss absolut spielfrei auf dem inneren, starren Teil sitzen, damit die Lager die auf sie wirkenden Kräften richtig und lange übertragen können. Hat auch nur eine der Seiten spiel "schlägt" das Lager "aus" und zerstört dabei meist mehr als nur sich selbst. Bei diesen Lagern ist es bei Ein- und Ausbau deswegen auch so wichtig, immer nur den Ring zu belasten, den man gerade einpresst. Bei einer Nabe z.B. wäre dies der äußeren. Schlägt oder presst man ein Lager am inneren Ring ein, geht es ohne zu zögern und unwiderruflich über die Wupper!

Der Begriff Industrielager ist ausschließlich in der Fahrradbranche üblich, also nicht wundern, wenn andere (z.B. der freundliche Verkäufer im Lagerladen) damit nichts anfangen können.


Kleiner Tipp: wenn Industrielager schwer laufen, knurpsen oder ähnliches, ein Austausch aber grad nicht möglich ist (Zeit, Geld oder so) kann man sich (auf eigene Gefahr und ohne Gewähr auf Erfolg) für kurze Zeit selber helfen:

- Mit einem dünnen, feinem Gegenstand (kleines Cuttermesser, Spitzpinzette) wird vorsichtig (!) eine der Dichtungsscheiben des Industrielagers ausgehebelt und entfernt (wenn möglich auch die zweite auf der anderen Seite). Das dahinter befindliche Lager wird bei Bedarf gereinigt (z.B. mit Bremsenreiniger ausgespült) und dann großzügig neu eingefettet (mit Lagerfett). Dann die Dichtungsringe wieder drauf und fertig ist man! Wie gesagt: das ist eigentlich fast schon grober Unfug und erspart einem nicht den Lagertausch, aber man kann so manchmal noch was retten. Die Dichtungen sind danach allerdings nicht mehr hundertprozentig dicht, so dass man, wenn das Lager einmal offen war, gezwungen ist, dieses Lager regelmäßig zu öffnen und nachzufetten.

Tipp 2: Industrielager gibts es von Markenherstellern wie SKF in verschiedenen Qualitätsstufen. Es lohnt sich, dort bei einem Tausch nicht zu sparen! Nehmt ruhig gute bis sehr gute Qualität, besonders bei Laufrädern ist der Unterschied enorm.

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